September 4, 2020 8:47 AM
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Current affairs

Händedesinfektion während der Corona-Pandemie

BERLIN/SEEHEIM. Die Desinfektion der Hände ist unter den Bedingungen der Sars Cov2-Pandemie wieder einmal in den Fokus gerückt. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Handhygiene ein wichtiger Bestandteil der Infektionsvorsorge ist. Um die Gefahr einer Ansteckung wirksam zu minimieren müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Im Grunde...

...geht es darum, wann, wie und womit desinfiziert wird. Einher geht die Frage, welches Desinfektionsmittel oder Desinfektionsspray für die Handdesinfektion und Hautdesinfektion geeignet und dabei wirksam gegen Corona ist.

Zunächst einmal eine Begriffsbestimmung: Bei der Hautdesinfektion und Händedesinfektion müssen vorhandene Keime mindestens um den Faktor 10−5 reduziert werden. Das wird mit in der DIN EN 1500 festgelegten Testverfahren geprüft. 

Wann müssen Hände desinfiziert werden?
Im Allgemeinen muss man unterscheiden: befindet man sich in einem privaten oder beruflichen Umfeld, in dem eine Gefahr durch eine Übertragung pathogener Keime gering ist oder birgt eine Keimübertragung eine erhebliche Gefahr für Personen oder Sachen in sich.

Und auch hier stellt der Beginn der Corona-Pandemie eine Zeitenwende dar: wurde vorher noch kommuniziert, dass eine Desinfektion im privaten Umfeld in der Regel unnötig sei stellt sich dies heute anders dar. Die Ausgangslage war, dass das menschliche Immunsystem mit den bekannten Alltagskeimen in aller Regel gut zurechtkam. Dem neuartigen Coronavirus haben wir offenbar wenig entgegenzusetzen, umso wichtiger wird der bewusste Umgang mit den Gefahren.

Beim beruflichen (oder auch privaten) Umgang mit vielen Menschen, bei der beruflichen Zubereitung und Verarbeitung von Lebensmitteln und im medizinischen und pflegerischen Bereich ist die Notwendigkeit einer richtigen und ausreichenden Desinfektion der Hände unumstritten.

Wann müssen Hände desinfiziert werden? Nicht so oft wie möglich, aber immer dann, wenn notwendig: wenn Hände kontaminiert (belastet) sein können und bevor andere Dinge berührt werden, von denen Bakterien und Viren auf andere Menschen übertragen werden können. 

Wie werden Hände richtig desinfiziert?
Für eine hygienische Händedesinfektion wird ein geeignetes Desinfektionsmittel gründlich auf den trockenen Händen verteilt und eingerieben. Üblicherweise geht man von mind. 3 ml Lösung für eine Desinfektion aus. Die Einwirkzeit soll 30 Sekunden betragen. Während dieser Zeit müssen die Hände feucht gehalten werden (bei Bedarf zusätzliches Desinfektionsmittel auftragen).

Wenn das Desinfektionsmittel von mehreren Personen verwendet wird muss auf eine hygienische Entnahme geachtet werden. Berührungsfreie Spender mit Sensor oder Armhebelspender sind möglich. Armhebelspender müssen mit dem Ellenbogen bedient werden.

Im medizinischen Bereich gelten bei der chirurgischen Händedesinfektion mind. 2x3 ml bei einer Einwirkzeit von 5 min als Standard angegeben. Beachten Sie die Anwendungshinweise zum jeweiligen Produkt. 

Welche Produkte sind geeignet?
In Coronazeiten sind für eine sichere Desinfektion Produkte geeignet, die „viruzid“, „begrenzt viruzid Plus“ oder „begrenzt viruzid“ sind.

Für die hygienische Händedesinfektion nach DIN EN 1500 sollte ein Desinfektionsmittel eingesetzt werden, dass innerhalb von 30 Sekunden wirksam ist. Geeignete Produkte findet man u.a. in der RKI- Liste und der VAH- Liste für Desinfektionsmittel (für Deutschland). Aufgelistet werden eine Reihe mehr oder minder bekannte Produkte, mit denen man sich die Hände desinfizieren kann: Sterillium virugard, Sterillium med., Sterillium classic pure, Bacillol, Sagrotan und viele andere. Auch in anderen Ländern gibt es Verzeichnisse entsprechender Produkte. Hier ist jeweils auch die Virozidie ausgewiesen.

Zu Beginn der Coronakrise hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) einige Ausnahmeregelungen erlassen. Dadurch wurden einige durch die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgeschlagene Rezepturen vorübergehend zugelassen. Von den 5 WHO- Formulierungen haben 2 Ihre begrenzt viruzide Wirksamkeit unter Beweis gestellt: 

WHO I modifiziert: 85,5% Ethanol (V/V), 0,725% Glyzerol, 0,125 % H2O2
WHO II modifiziert: 75,5% (W/W) Isopropanol, 0,725% Glyzerol, 0,125 % H2O2. 

So konnten mit den Sonderzulassungen schnell geeignete Produkte für die hygienische Händedesinfektion zur Verfügung gestellt werden, die neben bekannten Produkten, wie Sterillium virugard, Sterillium med., Sterillium classic pure, Bacillol, Sagrotan und viele anderen eingesetzt werden konnten und können.

Auch das für die Zulassung von Arzneimitteln in Deutschland zuständige Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte weist in der „Allgemeinverfügung zu zeitlich befristeten Abweichungen vom Inhalt der Zulassung von alkoholhaltigen Arzneimitteln zur hygienischen Händedesinfektion“ darauf hin, dass nur Produkte mit den nachfolgenden Wirkstoffen als begrenzt viruzid wirksam anerkannt sind:

Ethanol 80% V/V, Ethanol 80% V/V, vergällt mit Butan-2-on, 2-Popanol 70% V/V und 2-Propanol 80% V/V. Andere durch die empfohlene Rezepturen sind nicht in der geforderten Einwirkzeit wirksam. Hier wurden Wirkzeiten von 1 Minute ermittelt.

Durch die Knappheit geeigneter und bekannter Produkte (wie Sterillium virugard, Sterillium med., Sterillium classic pure, Bacillol, Sagrotan u.a.) zu Beginn der Coronakrise bedingt drängten weitere Produkte auf den Markt, deren Wirksamkeit bislang nicht nachgewiesen konnte. Dazu gehören durch Elektrolyse hergestellte Lösungen, die Natriumhypochlorit und Hypochlorsäure enthalten. Diese Produkte können aufgrund der Anmeldung nach Meldeverordnung der BAuA vertrieben werden, wurden aber bisher keinerlei Prüfungen im Sinne einer Zulassung (u. a. Verträglichkeit, Wirksamkeit) unterzogen.

Fazit: Für die Bekämpfung des Corona-Virus spielt für die Unterbrechung von Übertragungswegen die richtige Händedesinfektion eine wichtige Rolle. Entscheidend sind die korrekte Anwendung und das richtige Produkt.

Und natürlich das Bewusstsein, durch das eigene Handeln die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer zu schützen. 

Quellen:
RKI - Epidemiologisches Bulletin 19/2020 7. Mai 2020
BfArm: Allgemeinverfügung zu zeitlich befristeten Abweichungen vom Inhalt der Zulassung von alkoholhaltigen Arzneimitteln zur hygienischen Händedesinfektion
BAuA: Allgemeinverfügung zur Zulassung 2-Propanol-haltiger und Ethanol-haltiger Biozidprodukte zur hygienischen Händedesinfektion zur Abgabe an und Verwendung durch berufsmäßige Verwender und Verbraucher sowie zur Zulassung 1-Propanol-haltiger Biozidprodukte zur hygienischen Händedesinfektion zur Abgabe an und Verwendung durch berufsmäßige Verwender aufgrund einer Gefahr für die öffentliche Gesundheit und zur Aufhebung der Allgemein-verfügungen vom 4. und vom 20. März 2020

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