October 15, 2020 8:06 AM
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Welternährungstag 2020: UN stellt düstere Prognose

BERLIN. Zum diesjährigen Welternährungstag hat ein Zusammenschluss aus 46 Organisationen ein Positionspapier verfasst, das dem Welthunger in 11 Schritten den Kampf ansagen soll. Die Vorhersage der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2030 sind indes erschreckend.

Anzahl Hungerleidender wird massiv ansteigen

Jedes Jahr wird am 16. Oktober der Welternährungstag begangen. Dabei soll daran erinnert werden, dass eine unfassbare Anzahl Menschen weltweit an Hunger leiden. Der jährlich veröffentlichte UN-Report 2019 belegte, dass im vergangenen Jahr 690 Millionen Menschen betroffen waren, was einer Steigerung von 10 Millionen innerhalb eines Jahres und von 60 Millionen in den letzten fünf Jahren entspricht. Viele Faktoren tragen zu diesen Umständen bei, und die Corona-Pandemie verschärft die Situation noch einmal maßgeblich. Die Vereinten Nationen prognostizieren nun, dass bis zum Jahr 2030 noch einmal zusätzlich 150 Millionen Menschen an Hunger leiden werden, sofern die Hungerbekämpfung nicht radikal angegangen wird. Man bedenke: 2030 war zunächst ein Langzeitziel, bis zu dem der Welthunger beendet sein sollte.

Ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen hat dafür ein gemeinsames Positionspapier verfasst, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, ihren weitreichenden Einfluss zu nutzen. Das Bündnis umfasst unter anderem folgende Verbände:

  • Brot für die Welt
  • Oxfam
  • Das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR
  • Das INKOTA-Netzwerk
  • FIAN, das FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk Deutschland

Insgesamt wird das Positionspapier „Welternährung 2030 – 11 Schritte für eine Zukunft ohne Hunger“ von 46 Organisationen getragen und kann hier abgerufen werden.

Erzeuger müssen Stimmrecht erhalten

Ein Problem ist, dass die weltweite Hungerbekämpfung oftmals an denen vorbeigeht, die sie eigentlich erreichen soll. Dazu Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte von Brot für die Welt: „Kleinbäuerliche Betriebe erzeugen einen Großteil der Lebensmittel und sind zugleich überproportional von Hunger betroffen. Deshalb brauchen sie Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen, damit ihr Zugang zu Land, Wasser, Saatgut und Wissen endlich gesichert wird. Sie müssen über ihre Zukunft mitbestimmen können. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie problematisch es ist, wenn Kleinbauern, Landarbeiterinnen, Indigene und Frauen bei Entscheidungen übergangen werden.“ Für das kommende Jahr ist ein UN-Welternährungsgipfel geplant, bei dem diese Themen unbedingt im Fokus stehen müssen.

Weniger Macht den Großkonzernen

Ein weiteres zentrales Thema ist von gesellschaftspolitischer Natur. Das Bündnis sieht die Gründe für fehlende Fortschritte zu einem großen Teil darin, dass das Interesse großer Konzerne oftmals vor die Menschenrechte gestellt wird. „Kleinbäuerliche Erzeuger und Landarbeiterinnen hungern, weil sie in globalen Lieferketten ausgebeutet werden, weil ihre Lebensgrundlagen zerstört werden und der Klimawandel sie besonders stark trifft“, kritisiert Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN. Trotz harter Arbeit sind die Löhne oftmals so gering, dass sie keine Existenzen sichern können. Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei Oxfam, sieht jedoch Möglichkeiten zur Veränderung. So könne die Bundesregierung eine rechtliche Grundlage schaffen, um große Konzerne zu entflechten und so weniger Macht auf einzelne Unternehmen legen. „Die enorme Macht von großen Konzernen ist nicht alternativlos. Die Bundesregierung hat es in der Hand, die Macht der Konzerne zurückzudrängen“, so Wiggerthale.

Corona verschiebt den Fokus

Umweltkrisen wie die aktuelle Heuschreckenplage in afrikanischen oder schwere Überschwemmungen in südostasiatischen Ländern werden immer dafür sorgen, dass in bestimmten Teilen der Welt nicht ausreichend Lebensmittel zur Verfügung stehen. Deshalb benötigt es ein allumfassendes Konzept, das diese Aspekte ebenso miteinschließt wie die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit. Die Agrarökologie wird dabei immer wichtiger. Auch wenn die Corona-Pandemie aktuell das Weltgeschehen dominiert, sollten andere humanitäre Probleme nicht zu stark in den Hintergrund rücken – denn wie üblich sind es die Ärmsten, die von solchen Katastrophen am härtesten getroffen werden. Deshalb gilt es, gemeinsam zu handeln und dem Welthunger den Kampf anzusagen, um das dunkle Szenario der UN nicht Realität werden zu lassen.

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